Gesundheitstage

Erfahrungsbasiertes Konzept zur Durchführung betrieblicher Gesundheitstage

 

Arbeitsschutz-Tage, Gesundheitsschutz-Tage, Aktions-Tage, Safety Days sind Bezeichnungen für akzeptierte betriebliche Maßnahmen, die von Unternehmen veranstaltet werden. Ziel von solchen Tagen ist die Sensibilisierung für arbeitsschutzrelevante Themen. Als erfolgreich können Aktionstage betitelt werden, bei denen es zu einer hohen Beteiligung  und Zustimmung der Mitarbeiter kommt und auch ein aktives Auseinandersetzen mit den thematisierten Bereichen über den Tag hinaus stattfindet. Besonders erfolgreich sind Aktionstage, die auf ein einziges Thema reduziert sind und vielfältige Beteiligungsformen und Zugänge anbieten. Infotainment, moderierte Aktionen, Erlebnisobjekte, visuelle Medien, Theateraufführungen, Wettbewerbe und vieles mehr erschließen verschiedenste Facetten und emotionale Zugänge.

Das erfolgversprechende Muster betrieblicher Aktionen zur Sensibilisierung gliedert sich in drei Phasen:  VOR-Phase, START-Phase und NACH-Phase.

Unsensiblen Mitarbeitern sind die Arbeitsschutzverhältnisse in der Regel gleichgültig. Sensibilisierte Mitarbeiter wollen Verbesserungen. Der Wunsch nach Verbesserung ist ein Maß für die erreichte Sensibilisierung. „Sei sensibel, aber stell keine Forderungen!“ passt nicht zusammen. Der Erfolg einer Maßnahme kann sich neben der Reduzierung von tatsächlich zählbaren Ereignissen auch daran messen, inwieweit Präventionsleistungen (z.B.: Meldungen von Beinahe Unfällen, Quote der Verbesserungsvorschläge zur Arbeitssicherheit) erhöht werden können.

Strukturelle Grundlage für den Verbesserungsprozess betrieblicher Maßnahmen ist der Demingkreis, oder auch PDCA-Zyklus [1] genannt. Dieser vierstufige, sich wiederholende Verbesserungsprozess beinhaltet die Elemente Planen – Umsetzen – Überprüfen – Handeln, die bei jedem Veränderungsprozess  durchlaufen werden sollten.

In der DGUV 'Vorschrift 2' [2] werden als Aufgabenbereiche für Fachkräfte für Arbeitssicherheit bzw. Arbeitsmediziner explizit genannt: Durchführung von Schwerpunktprogrammen, Kampagnen sowie die Unterstützung von Aktionen zur Gesundheitsförderung bzw. das 'Durchführen von Aktionstagen'. Unter dem Stichwort 'Kulturentwicklung' wird im Unternehmen neben der Verhältnisprävention verstärkt bei der Verhaltensprävention angesetzt.

VOR-Phase

Damit Aktionstage mit freiwilligem Besuchscharakter gut besucht und erfolgreich werden, müssen Führungskräfte inhaltlich und methodisch vorbereitet werden. Führungskräfte müssen den Aktions-Tag als ihr Instrument begreifen, das ihnen hilft, ihrer Verantwortung gerecht zu werden. Wird die Rolle und Funktion einer Führungskraft zum Gelingen der Aktion herausgearbeitet, wird aus dem Arbeitsschutztag eine Maßnahme der Personalentwicklung. Arbeitsschutz ist Personalführung!

Bleibt der Aktionstag in der Wahrnehmung der Führungskräfte eine Aktion der Sicherheitsabteilung oder lediglich eine zugekaufte Dienstleistung, fehlt ein Motiv selber daran teilzunehmen bzw. für eine hohe Beteiligungsquote aus der eigenen Abteilung zu sorgen.

Führungskräfte müssen die START-Veranstaltung als ihre Veranstaltung begreifen und den Erfolg als ihren Erfolg werten.

Die Führungskräfte der Basis müssen methodisch darauf vorbereitet werden, wie die angebotenen Instrumente der NACH-Phase in der Praxis eingesetzt werden und woran sich ihr Erfolg misst.

START-Phase

Textfeld: Abbildung 1: VOR- und START-Phase

In der START-Phase werden die Mitarbeiter für ein zuvor ausgewähltes Arbeitsschutzthema sensibilisiert. Das Institut Input hat gute Erfahrungen mit Pflichtveranstaltungen gemacht. Wenn die Veranstaltung mit Applaus endet, ist das ein deutliches Zeichen, dass selbst ein Thema wie „Sturzunfälle vermeiden“ spannend und unterhaltsam sein kann. Aus Erfahrung haben sich besonders Aktionen wie Rallyes, Bühnenshows bei denen Künstler oder Artisten auftreten oder der „Marktplatz“ bei dem unterschiedliche, zum Themenbereich passende Erlebnisobjekte aufgebaut werden, als erfolgreich erwiesen.

Wird ein Gesundheitstag als (Projekt)-START verstanden, müssen die Impulse danach im Arbeitsalltag spürbar werden. Im Zusammenhang mit dem Themenbereich Stolper- und Sturzunfälle würde es bedeuten die Risiken von Stolper- und Sturzunfälle zu identifizieren, Lösungen in Form von konkreten Maßnahmen zu finden und diese dann auch im Unternehmen umzusetzen. 

Der Aufwand eines Aktions-Tages ist nur gerechtfertigt, wenn die Impulse den Arbeitsalltag erreichen. Wenn alles so bleibt, wie es war, werden bestehende Verhältnisse zementiert. Eine betriebliche Kampagne liefert Methoden und Instrumente zur Übertragung in die Praxis.

 

 

 

NACH-Phase

Textfeld: Abbildung 2: NACH-Phase

Um die Impulse eines Aktionstages zu festigen und präsent zu halten, erhalten die Führungskräfte der Basis in der Nach-Phase Unterweisungsvorlagen, um Risiko-Dialoge führen zu können oder Verhaltensvereinbarungen im Team zu dokumentieren. Mithilfe von Plakaten und Aufklebern werden die Kernaussagen wiederholt. Bei dem Themenbereich Stolper- und Sturzunfälle bedeutet dies beispielsweise, dass aktiv auf Gefährdungen, bei denen es zu Stolper- oder Sturzunfälle kommen kann, geachtet wird.  Innerhalb des Teams können Vereinbarungen zum Umgang mit den Gefährdungen getroffen werden und langfristig eine Zielvereinbarung zur Reduzierung von Stolper- und Sturzunfällen getroffen werden. 

Drei Monate nach der START-Veranstaltung wird es Zeit, ein Resümee zu ziehen.  Die erreichten Fortschritte dürfen nicht im Sand verlaufen, sie müssen offensiv kommuniziert werden. Um den Prozess zu unterstützen, werden wiederum Vorlagen angefertigt und geliefert, welche den Arbeitsaufwand für die beteiligten Führungskräfte reduzieren.

Es hat sich bewährt, wenn nach drei Monaten Feedback-Gespräche mit den Führungskräften der Basis erfolgen. In Kleingruppen (4-5 TN über 90 Min) werden Effekte reflektiert und eigenes Führungsverhalten nachjustiert.

Ein Feedback Termin mit den Führungskräften in der NACH-Phase (nach 6-8 Wochen) räumt Missverständnisse aus, gleicht Interpretationen ab, überprüft die Wirksamkeit und ermöglicht ggf. Korrekturen.

Ein Feedbacktermin für die Leitung der Unternehmenseinheit eröffnet deren Handlungsoptionen und beinhaltet die Chance, Strukturen anzugleichen und Strategieentscheidungen zu treffen.

 

 

Einzelnachweise

1. https://de.wikipedia.org/wiki/Demingkreis. Zugriff: 29.09.2015

2. Bell, Frank DGUV Vorschrift 2: Rückblick. Dresden: Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) 2015; I  m Internet: http://www.dguv.de/medien/inhalt/praevention/vorschr_regeln/vorschrift-2/fach2015/bell.pdf; Zugriff: 29.09.2015

 

Autor: Reinhard R. Lenz
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